724
Vis Moot 2022: "Alle Wege führen nach Danubia!"
"Alle Wege führen nach Danubia!"

Zum 29. Mal brachte der Willem C. Vis International Commercial Arbitration Moot Tausende von Studenten aus der ganzen Welt zusammen, sowohl virtuell als auch persönlich. Die Universität des Saarlandes beteiligte sich zum 19. Mal unter der Leitung von Prof. Dr. Dr. h.c. mult.Helmut Rüßmann an diesem Erlebnis.

Das diesjährige Team bestand aus einer starken weiblichen Besetzung: Meera Dubey, Beatriz Solanas Huerta, Ariana Ospina und Anusha Osman Ali haben sich der Herausforderung gestellt und die Universität des Saarlandes vertreten. Alle vier Teilnehmerinnen sind LL.M.-Kandidatinnen im Europäischen und Internationalen Recht am Europa-Institut der Universität. Neben Prof. Rüßmann wurden die Studierenden von Elinam De Souza (Mootie im 28. Vis Moot/PhD-Kandidatin), Pieter Van Vaerenbergh (Mootie im 25. Vis Moot/PhD-Kandidat/Associate bei Fieldfisher Brüssel) und Eva Wingler (Oberregierungsrätin in der Hessischen Finanzverwaltung) betreut.

Das Vis Moot Problem 2021/22 befasste sich mit dem Verkauf und der Produktion von Palmöl und Biokraftstoffen. Die Moot-Organisatoren entwarfen einen fiktiven Fall mit Sachbezug, indem sie das aktuelle Thema der Nachhaltigkeit in der Palmölindustrie mit der rechtlichen Komplexität des Vertragsschlusses und den Folgen der Anwendung verschiedener Gesetze auf den Abschluss eines Schiedsvertrags kombinierten. Prof. Rüßmann stellt fest, wie herausfordernd das diesjährige Problem war und lobt die Fähigkeit der Studierenden, diese komplizierten juristischen Argumente zu verstehen: "Das diesjährige Prozessthema war so komplex, dass viele Teams und Schiedsrichter damit zu kämpfen hatten, den richtigen juristischen Ansatz zu finden. Der Grund für die Schwierigkeiten lag darin, dass die von den Gerichten (deutsch und englisch) in den beiden führenden Fällen verfolgte Vorgehensweise aufgrund der besonderen Rechtslage nicht auf den Vis Moot-Fall übertragen werden konnte. Die Universität des Saarlandes kannte den richtigen Ansatz, aber die Argumente stießen bei den Schiedsrichtern nicht immer auf Verständnis". Zwischen Oktober 2021 und Januar 2022 erstellten die Studenten Memoranden aus der Sicht des Klägers und des Beklagten in dem Streitfall. Mootie Beatriz blickt auf die Arbeit an den Schriftsätzen und die Herausforderung zurück, komplexe Rechtsfragen strukturiert, verständlich und überzeugend darzustellen: "Wir haben bei unseren Recherchen eine strenge Analyse durchgeführt, um die Stärken und Schwächen möglicher Argumente zu bewerten. Dabei war es von entscheidender Bedeutung, die für den Fall relevanten Fakten zu ermitteln und sie mit den rechtlichen Fragen und Argumenten zu verknüpfen".

Im Februar und März 2022 wurde der Wettbewerb mit der mündlichen Phase fortgesetzt. Die Studierenden wandelten ihre schriftlichen Beiträge in 15-minütige Kurzargumente um, die sie in verschiedenen Pre-Moots präsentierten. Zum ersten Mal seit Beginn der Pandemie reiste das Team auch zu einem persönlichen Pre-Moot in Zenica, Bosnien und Herzegowina. Mootie Meera fand diese Erfahrung besonders fesselnd: "Die Pre-Moots boten uns die Möglichkeit, unser mündliches Auftreten zu trainieren und Feedback von weltbekannten Praktikern zu erhalten, um überzeugend zu argumentieren. Wir sind besonders stolz darauf, beim Pre-Moot in Zenica den zweiten Platz belegt zu haben, nachdem wir in mehreren Argumentationsrunden gegen hervorragende Teams angetreten waren.Nützliche Tipps und Tricks erhielten die Studierenden auch von dem erfahrenen Moot- und Mündlichkeitsexperten John Faulk (RemTene Mooting): "Einer der Höhepunkte des Vis Moots war für mich das Mündlichkeitstraining, bei dem ich verschiedene Techniken des Präsentierens, Gestikulierens und Atmens erlernte, um meine mündlichen Argumentationsfähigkeiten zu verbessern", so Mootie Ariana. Dank dieser Erfahrung konnten alle Schülerinnen und Schüler ihre Fähigkeit entwickeln, selbstbewusst und souverän zu präsentieren, wenn sie in einem öffentlichen Rahmen sprechen. Im April fanden die Vis Moot-Erfahrungen ihren Höhepunkt in den Finalrunden, in denen das Team gegen Universitäten aus Japan, Indien, der Türkei und den Vereinigten Staaten antrat. Anusha kommentiert ihre Erfahrungen im virtuellen Wien: "Es war aufregend, gegen Teams aus verschiedenen Ländern mit unterschiedlichem Hintergrund anzutreten, von denen jedes seine eigene Perspektive auf den Fall einbrachte". Sie erinnert sich vor allem an die Herausforderung, auf die verschiedenen Arten von Fragen zu antworten, die von den Schiedsrichtern gestellt wurden: "Es gelang mir, all diese Herausforderungen zu meistern, indem ich die Ruhe bewahrte, originell blieb und meine Argumente selbstbewusst vortrug". Insgesamt konnten die Studierenden vertieftes Wissen über wesentliche Aspekte der Handelsschiedsgerichtsbarkeit erwerben, nützliche Fähigkeiten für ihren juristischen Beruf sammeln und dauerhafte und sinnvolle Kontakte knüpfen.

Die Universität des Saarlandes wird erneut am 30. Vis Moot teilnehmen, der im April 2023 in Wien stattfinden wird. Interessierte Studierende werden gebeten, ihren Lebenslauf und ihr Motivationsschreiben bis zum 10. Juni 2022 an vismootsaarland@europainstitut.de zu senden.

VonElinam De Souza and Pieter Van Vaerenbergh
Elinam De Souza and Pieter Van Vaerenbergh

Share